Bei X+3 – Haus Kruemel kann man die Abfolge der Rechnungszahlung beim Eigenheim nachlesen…
- Bauherr erhält Rechnung.
- Nach Rekonvaleszens vom Rechnungsschock kopiert der Bauherr die Rechnung.
- Sodann füllt er einen Abrufbogen über den gewünschten Betrag aus seinem Kredit aus. Nicht irgendeinen Abrufbogen: Es muss der richtige Abrufbogen sein!
- Im Anschluss füllt er einen Überweisungsträger aus, mit dem er den gewünschten Betrag an den in der Rechnung genannten Empfänger überweist.
- Er prüft dann, ob der Überweisungsträger korrekt datiert und auch unterzeichnet ist.
- Fakultativ verfasst der Bauherr ein Anschreiben an die kreditgebende Bank.
- Rechnungskopie, Abrufbogen und Überweisungsträger (sowie fakultativ das Anschreiben) tütet der Bauherr ein.
- Der Bauherr erfragt bei der Bauherrin die korrekte Frankierung und erheischt die Bereitstellung vom Briefmarken mit möglichst korrektem Wert.
- Bauherrin und Bauherr spazieren mit dem adressierten und frankierten Umschlag zum Briefkasten und prüfen die Leerungszeit: Morgen abend…
Wir fanden die Geschichte amüsant, da im Rest des Beitrages auch einige Erfahrungen auftauchen, die wir teilen können.
Zunächst sei als Vorwort gesagt, dass nach der ersten Papierrechnung durch Bodenseehaus, die eine Postlaufzeit von 5 Werktagen hatte, wir diese nun per E-Mail erhalten. Laufzeit 1 Minute. Dies macht dann auch die restliche Abwicklung etwas leichter. Unsere Sparkasse hatte zu Baubeginn eine Abtretung an Bodenseehaus unterzeichnet, so dass (bis auf Mehrleistungen) die Beträge und Zahlungen ohnehin feststehen.
Formulare benötigen wir zunächst einmal nicht. Meist reicht Anruf und Weiterleitung der Anforderung per E-Mail. Erledigung innerhalb von wenigen Stunden und bis zur Überweisung dauert es dann je nach Kredit zwischen 5 Minuten und 5 Tagen (Sparkasse vs. KFW).
In unserem Konstrukt werden Mehrleistungen direkt mit den ausführenden Handwerkern abgerechnet. Dabei sind die Bedingungen teilweise sehr abstrus – nur mit einem Handwerker gab es bislang noch keine Schwierigkeiten.
Das Standardszenario ist eine Rechnung, die meist am Samstag im DIN A4 Umschlag, bei uns ankommt. Variationen in der Schreibweise unserer Namen sind wir schon gewohnt. Allerdings sind auch die zu zahlenden Leistungen interpretationsbedürftig. Manchmal wird angegeben, dass die Leistungen bereits erbracht wurden – manchmal Leistungen berechnet, die eigentlich nach unserem Verständnis keine sind. Was macht also der Bauherr am Samstag Mittag? – Richtig: Rechnungsprüfung.
Wer nun in alter Kaufmannsmanier versucht im Voraus einen Liquiditätsplan zu erstellen, der wird gänzlich scheitern. Zahlungsfrist von 7 Tagen – für Rechnungen ohne Angebot, die irgendwann zwischen Baubeginn und Sankt-Nimmerlein geschickt werden. Antwortzeiten auf Rückfragen per E-Mail zwischen 5 Tagen und 4 Wochen (wenn überhaupt). Der Einkauf eines jeden Industrieunternehmens würde den Glauben an das HGB verlieren.
Wenn nun zumindest auf der Baustelle die Begriffswelt frei von vertragsrechtlichen Bergriffen sein würde….
Unsere Favoriten:
- Raportzettel
- (fehlende) Abtretung
- Leistungsumfang
- Lieferschein (der eigentlich ein Angebot ist)
Dabei könnte man doch annehmen, dass sich bei so einem kleinen Häuschen um eine Summe handelt, die mit einer durchschnittlichen Investition eines Industrieunternehmens durchaus mithalten kann.
Herrlich
Da weiss ich jetzt schon, was demnächst auf mich zukommt. Wir unterschreiben kommende Woche eine lt. Verkaufschef “Reservierung” eines im Bau befindlichen Hauses, die rein rechtlich ein Vorvertrag ist “Auftrag zur Vorbereitung eines notariellen Kaufvertrages”. Bei Lektüre des vom Bauunternehmer vorgelegten Kaufvertrags (“…das machen wir schon seit 40 Jahren so…”) fällt dem gelernten Kaufmann dann doch eine gewisse Einseitigkeit bzgl. der Vertragsgestaltung auf. Mein nächster SSchritt: das jemandem zur Prüfung übergeben, der das gelernt hat (Anwalt). Ich halte Euch auf dem Laufenden
Ich muss zugeben, dass mich die Liste der “ähnlichen Beiträge” amüsiert: Dort taucht nach dieser Rechnungsstory die Headline: “Beobachtung einer Therapiestunde” auf.
irgendwie passend oder? Reif für eine Therapie bin ich zumindest schon einmal.
Also schön,…. in der Welt der kleinen Leute geht das wohl so zu … anders in der Industrie (und da war ich sowohl in der Materialwirtschaft und davor jahrelang in der Innenrevision tätig). Grosskonzerne überprüfen mit schöner Regelmässigkeit, ob mit Ihrem Geld auch ordentlich gearbeitet wird. Ein Ansatz, den jeder versteht! Wir haben auf Stichprobenbasis in Form eines Compliance Tests monatlich (!!!!!) unter anderem geprüft, ob zu einer Rechnung aus der Stichprobe ein Wareneingangsbeleg (bei Dienstleistungen ein Meldezettel) vorliegt, der von einem beauftragten Mitarbeiter unseres Unternehmens abgezeichnet war. Dieser Schein floss in die Rechnungsprüfung ein, bei der weitere Vereinbarungen geprüft wurden. Aber machen wirs doch nicht so kompliziert. Bei allen Bankschaltern, bei Supermarktkassen in Restaurants etc. findet, als wäre es ein Gebot ( und ich glaube soogar hier sind sich viele Religionen einig) das Vier-Augen-Prinzip …. nennen wir es die Rechnungsprüfung des kleinen Mannes. Und findet man dabei Ungereimtheiten …. na dann sofort an den Rechnungssteller. Auch dort arbeiten kleine Leute und können sich vertun (komisch, das klingt als könnten sich Grosse nicht vertun, … ich denk drüber nach). Der Zahlungsplan mit Banken ist ein Terminplan …. genauso wie der Lieferplan … und die müssen paralell laufen. Wie beim Skilauf …. Ist ein Ski schneller fällt man unweigelich auf die Nase !!!