Schon einige Tage schiebe ich nun diesen Blogpost vor mir her, da es (neben dem Kamin) das I-Tüpfelchen auf unserem Haus ist: Die Heimautomatisierung. Ja, ja, es gibt Bus-Systeme in Mengen – und es ist nicht ganz unüblich, dass solche heute in Neubauten verbaut werden. Doch, wir wollten kein Bus-System – hatten andere Flausen im Kopf, wie man ein smartes, intelligentes Eigenheim schaffen kann.
Bereits bei der Bemusterung hatten wir daher das Thema angesprochen, jedoch dann beschlossen, dass der endgültige Plan wohl erst auf der Baustelle in Absprache mit dem Elektriker entstehen wird. Viele Fertighaus-Anbieter haben bereits irgend ein System im Standardangebot, aber wir wollten uns ja selbst über die Intelligenz ein paar Gedanken machen. Also Planen und Abwarten, am letzten Montag dann den Elektriker von Heidelmeier (Sub-Für Bodenseehaus) überfallen und schocken. Der Geschockte war dann Alexander Markert, der den Auftrag der Elektroverkabelung bei uns übernommen hat.
Das System, welches wir uns einbauen lassen werden, stammt von Moeller (Eaton), einem der führenden Anbieter eigentlich in der Industrie. Dort gibt es die Produktgruppe X-Comfort, welches ein System zur Heimautomatisierung per Funk ist. Somit die sonst übliche und aufwändige Verkabelung eines Bus-Systems entfällt. Als Bauherr, der noch nicht bis ins letzte weiß, wohin welcher Schrank kommt, erhält man sich damit die Flexibilität der Lage von Schaltern, Dimmern bis zum absoluten Schluss. Schalter werden generell nur auf die Tapete geklebt. Geschaltet, Gesteuert, Geregelt wird per Funk.
Jetzt gibt es nicht nur Lampen und Steckdosen, die im modernen Haus per Strom geregelt werden. Auch die Heizung/Kühlung der Räume funktioniert per Funk durch spezielle Akteure, die ihre Temperatursensorik per Funk an die zentrale Steuereinheit - genannt Home-Manager oder Room-Manager – übermitteln. Fehlt nur noch die Beschattung, sprich die elektrischer Rolladen. Auch für diese sind Akteure vorhanden, die im gleichen Netzwerk mit den anderen Komponenten des Systems kommunizieren.
Für Heimautomatisierung gibt es gewisse Standardszenarien, die der Cyber-Junkee natürlich auch in seinem Haus haben will: Steuerung der Rolläden von Remote, Lichtthemen, steuern und walten vom Computer. Den Kindern einmal per Fernbedienung von 2 Stockwerke tiefer die Stereo-Analge ausschalten, wenn diese nach 22:00 Uhr noch zu laut ist – ja man baut vor.
Smart wird ein solches System aber erst durch eine Eigenart, die sich Metering nennt. Energiemesssensor nennt sich das unscheinbare Unterputzgerät, welches Möller hier im Programm hat. Es geht darum den Verbrauch einzelner Akteure, Stromkreise, Geräte zu messen. Benötigt werden diese jetzt nicht ganz so oft wie zum Beispiel die Akteure, aber sie machen ein Haus erst richtig intelligent.
Beispiel Waschmaschine: Irgendwann wird von der Waschmaschine der Heizstarb verkalkt sein. Kennt man den Ursprünglichen Verbrauch beim Einbau, so kann man den Verkalkungszustand durch den Anstieg des Verbrauchs errechnen. Irgendwann ist es einfach günstiger den Heizstab zu tauschen als ständig den Kalk mit zu erhitzen.
Beispiel Heizung/Kühlung: Die Frage, ob man beschattet, oder die Kühlfunktion der Wärmepumpe nutzt um das Erdreich im Garten zu erwärmen, ist eine Frage der Energieeffizienz. Im Mai rentiert es sich vielleicht nicht, da die Temperatur die man da in das Erdreich abgibt schlicht nicht bis zum Winter dort bleibt. Im September, Oktober kann es aber Sinn machen nicht mehr zu beschatten und lieber die Kühlfunktion zu nutzen um letztendlich im November die eigene Energie wieder aus dem Boden zu ziehen. Was sich zunächst wie höhere Mathematik anhört, ist eigentlich recht einfach und kann von etwas Software im Hintergrund errechnet werden – Man muss es eben nur messen.
Beispiel Verbrauchssteuerung: Stromtarife sind beim Endkunden heute noch statisch – er verändert sich nicht, obwohl dieser real bei den Energielieferanten minütlich schwankt. So kam es am 2. Weihnachtsfeiertag des letzen Jahres zum Beispiel zu einem Phänomen, bei dem der Strompreis sogar in den negativen Bereich gerutscht ist. Wir ersparen uns hier mal die Hintergründe die irgendwo in Netzbetrieb und Kraftwerkssteuerung zu finden sind. Mittels Metering kann das starke Schwanken direkt an den Verbraucher weiter gegeben werden. Szenarien werden denkbar wie: Meine Waschmaschine soll morgen Vormittag um 09:00 fertig sein – braucht 2 KW – bitte waschen wenn der Strompreis am günstigsten ist.
Spätestens jetzt stößt ein System, wie das Moeller System an seine Grenzen, soll es doch lediglich im Haushalt “schalten und walten”. Bereits auf dem Richtfest war daher einer der Geschäftsführer von Discovergy vor Ort um einige Grundlagen abzuprüfen, die wir zum Glück erfüllen.
Discovergy tritt im Prinzip als Zählerbetreiber direkt nach der Ablösung des Baustroms (in 2 Wochen) auf und stellt dann eine dynamische Tarifoptimierung sicher. Danach, so das versprechen, wird sich das System sich auf jeden Fall von selbst tragen. Da dieses Verfahren und Steuerung noch sehr neu ist, werde ich auch erst nachdem alles verfügbar und verbaut ist noch einmal gezielt auf das Thema Kostentransparenz beim Energieverbrauch eingehen – Grundlage ist aber auf jeden Fall die Heimautomatisierung, damit man die Möglichkeit zum “Schalten und Walten” hat.
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