Homebanking für Bauherren

Das Thema Finanzen ist bestimmt bei jedem, der ein Haus baut ein spannendes. Es wird einem auch nicht wirklich leicht gemacht, da fallen Kosten an, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Merhpreis hier Minderpreis dort. Vieles mit unterschiedlichen Zahlungszielen. Dagegen steht dann die Finanzierung. Dort sind es unterschiedliche Kredite mit unterschiedlichen Auszahlungsbedingungen und natürlich mit unterschiedlichen Zinssätzen und Abbuchungsterminen. So will die KFW bekanntlich jedes 1/4 Jahr ihren Obulus – die Hausbank monatlich.

Wie soll man da in der doch etwas längeren Planungsphase den Überblick behalten?
Den Karfreitag hatten wir uns daher den Abend gemeinsam hingesetzt und einen Schlachtplan entworfen, der vielleicht auch Anregung für andere Bauherren sein kann.

Zunächst ein paar Fragen, die wir tagesaktuell beantwortbar haben wollen:

  • Wieviel haben wir an Finanzierungskosten im Moment pro Monat?
  • Wieviel haben wir bisher für Grundstück, Ausstattung, Genehmigungen ausgegeben?
  • Wieviel war bislang hierfür geplant?
  • Liegen wir generell  im Plan?
  • Wo kann gespart werden?
  • Wo sind im Moment (finanzielle) Risiken?

Dann hatten wir noch eine Randbedingung, dass wir zwar gerne jetzt ein paar Stunden Hirnschmalz und Aufwand investieren, aber nicht ständig irgend welche Listen pflegen wollen (geschweige denn Belege abtippern).

Das Bau-Girokonto
Da wir auch bei unserer bisherigen Eigentumswohnung ein Girokonto bei der Finanzierung dazu bekommen hatten, gehen wir davon aus, dass dies einfach heute Standard ist. Bei der Finanzierung unseres Bauprojektes gab es ebenfalls ein Girokonto, welches wir ab der Eröffnung nur für Kosten verwendet haben, die direkt mit dem Bau in Zusammenhang stehen. Damit wird eine klare Trennung zu den sonst haushaltsüblichen Kosten möglich.

Die Software
Natürlich kann man im Peter Zwegert Stiel alles auf eine Tafel aufmahlen, aber dies ist wohl eher unpraktisch. Daher sollte man eine Finanzsoftware zur Hand haben. Da kommt allerdings das erste Problem. Die meisten (mir bekannten) Softwareprodukte haben einen “Kontenplan”, der auf die Führung eines gesamten Haushaltes oder Kleinunternehmens ausgelegt ist. Für das Bauvorhaben würde ich daher empfehlen diesen Kontenplan/Kategorienplan zunächst vollständig zu löschen. Alle nicht benötigten Konten/Kategorienie  die dennoch im in der Software hinterlegt sind, ohne dass sie verwendet werden, stören nur und verhindern die Übersicht. Die Auswahl der Software ist im Prinzip egal. Persönlich habe ich bislang mit WISO Mein Geld gearbeitet – dieses mal sollte es aber Linux als Betriebssystem sein, von daher stand Hibiscus und  Moneyplex zur Auswahl (beide Produkte gibt es auch für Windows). Bei der Auswahl einer Software sollte man nur darauf achten, dass man einen getrenntes Projekt/Mandant anlegen kann nur für das Bauvorhaben.

Anmerkung Wiso Mein Geld
Dieses mal nicht im Rennen, da es unter WINE (Windows Emulation für Linux) überhaupt nicht läuft…. zudem…

Anmerkung Hibiscus
Bei dieser Software handelt es sich eigentlich um ein Plugin für ein Framework welches sich Jamaica nennt. Die Installationsreihenfolge ist daher zunächst Jamaica installieren – danach Hibiscus. Beides ist vom gleichen Hersteller, erhältlich – die Installation aber bedarf aber etwas Zeit. Die Software ist kostenlos, einfach gehalten und wer will kann selbst daran weiter entwickeln.

Anmerkung Moneyplex
Verwenden wir schon einige Jahre für das “normale” Homebanking. Läuft sehr stabil. Kommt vorkonfiguriert mit etlichen Konten. In unserem Bauprojekt-Szenario bedeutet  dies allerdings, dass zunächst einige Kategorien gelöscht werden müssen, was ca. 10 Minuten Fleißarbeit ist. Die kostenlose Version ist von Moneyplex zunächst ausreichend, wobei die Bezahlversion auch ihre Vorzüge hat.

Der Konten/Kategorienplan
Wie bereits geschrieben, macht es Sinn zunächst mit einem leeren Plan anzufangen. Aus den Finanzierungsgesprächen mit der Bank, oder einem Finanzberater, hat man vielleicht die Übersicht der Kostenstruktur erhalten. Diese dient nun als wertvolle Basis für die Struktur.

Einzahlungen / Auszahlungen
Über diese Kategorie werden unsere eigenen Einzahlungen und Auszahlungen verbucht. D.h. jeder Posten auf dem Kontoauszug, bei dem wir von unserem anderen Girokonto Geld transferiert haben.

Kreditvalutierung
Die Habenbuchung sämtlicher ausgezahlter Darlehen werden hierüber verbucht.

Baunebenkosten
Enthält alle mit der Duchführung des Bauvorhabens in direkter Verbindung stehenden Kosten, die allerdings nicht den Wert des Objektes steigern. Die Unterkategorien können sein:

  • Abfuhr Aushub
  • Anschlusskosten
  • Baustrom
  • Genehmigungen
  • Sanitär (Baustelle)
  • Planung (Architekt, Statik, Vermessung)
  • ..

Grundstück
Hier werden sämtliche Kosten, die mit dem Erwerb des Grundstücks stehen gesammelt. Vorschlag für Unterkategorien:

  • Kaufpreis
  • Steuer
  • Notarkosten
  • Grundbuch
  • Sonstiges (Bsp: Negativzeugnis)

Hauskosten
Sammelt sämtliche Kosten, die dem Objekt selbst in Verbindung stehen und dessen Wert beeinflussen.

  • Bauträger (Grundausstattung)
  • Eigenleistungen
  • Küche
  • Sanitär
  • Beläge
  • Ausstattung
  • Sonstiges

Kreditkosten
Kosten, die durch die Darlehen entstehen. Hierzu zählen evtl. Versicherungen aber auch die Tilgung und Zinsdienste

  • Versicherungen
  • Zinsdienst
  • Sondertilgung
  • Bereitstellungszins

Erste Schritte

Bitte nicht Rot-Sehen bei der ersten Auswertung

Bitte nicht Rot-Sehen bei der ersten Auswertung

Sind die Kategorien angelegt, dann können die ersten Buchungen vom hoffentlich vorhandenen Onlinezugang zum Konto eingelesen werden. Moneyplex, das Tool, welches wir verwenden bietet die Möglichkeit regelmäßige Buchungen automatisch den Kategorien zuordnen zu lassen.  Die hierfür notwendigen Regeln werden bei der ersten Durchsicht der Buchungen erstellt.

Bei der Planung der Finanzierung hat man mit Sicherheit einen Plan gemacht, der sich “Kapitalbedarfsplan” nennt. Dieser Plan ist allerdings, zumindest bei uns, nicht so fein aufgegliedert wie oben stehend. Allerdings lassen sich diese Planzahlen den Oberkategorien zuordnen.

In der Homebankingsoftware kann man nun folgenden kleinen Trick machen:

  1. Ein “Offline” Konto pro Hauptkategorie anlegen (Bei Moneyplex via Sparbuch ohne Onlinezugang)
  2. Auf dieses Konto wechseln und eine !Sollbuchung! zu Beginn der Planung über die geplanten Kosten in einer Kategorie anlegen
  3. Zurück auf das Girokonto wechseln und bei jeder Buchung als Gegenkonto das entsprechende “Offline Konto” angeben
  4. Bei Bedarf diesen Vorgang über eine Regel automatisieren

Als letztes sollte man nicht vergessen auch den Topf “Reserven” als Konto anzulegen, da dieser wirklich benötigt wird…

Randbemerkung für Moneyplex: Diese Software erlaubt es zwar Kategorie + Gegenbuchung zu verwalten, man muss allerdings zuerst die Kategorie setzen und danach das Gegenkonto, ansonsten ist dies nicht mehr möglich.

Auswertungen
Am besten lassen sich die Auswertungen (Dashboard, Finanzzentrum…) etc.. Ansicht auf Basis der Fragestellungen beantworten, die wir am Anfang hatten

  • Wieviel haben wir an Finanzierungskosten im Moment pro Monat?
    Ansicht der letzten 6 Monate über die Kategorie “Kreditkosten:Zinsdienst”
  • Wieviel haben wir bisher für Grundstück, Ausstattung, Genehmigungen ausgegeben?
    Aufteilung der Ausgaben auf Kategorien  => Dort die entsprechenden Kategorien auswählen
  • Wieviel war bislang hierfür geplant?
    Auswertung über den Kontoverlauf der einzelnen “Offline-Konten”
  • Liegen wir generell  im Plan?
    Saldenübersicht aller “Offline-Konten” (geht eines dieser Konten in den postiven Bereich / Haben), dann liegen die Kosten über dem Plan
  • Wo kann gespart werden?
    Beginnen mit der Saldenübersicht über die “Offline-Konten”. Im Anschluss auf Kategorienebene und Unterkategorien wechseln bis runter zur Buchung.
  • Wo sind im Moment (finanzielle) Risiken?
    Risiken sind immer dort, wo kein “Gegenkonto” existiert. Dies sind ungeplante Kosten bis auf den Zinsdienst, dieser ist geplante Sonderlocke hier.

Tipps zum Umgang mit Homebanking Software
So selten wie möglich eine Auswertung über “Alle Konten / Alle Kategorien” machen, dies ist zwar nett, aber bedarf einiger Zeit an Interpretation.

“Offline Konten” können auch verwendet werden um kleine Planspiele zu realisieren. D.h. Buchungen die in der Zukunft liegen bereits einzuplanen. Eine Homebankingsoftware hat meist kein festes Limit an Konten – von daher nur Mut; Konten anlegen wenn immer man etwas Planen und ausprobieren will. Werden Konten gelöscht, so werden meist auch alle darin vorhandenen Buchungen gelöscht – d.h. die Planung wird rückgängig gemacht.

Je nach Software existieren eingebaute Planungs und Analysewerkzeuge, diese sind allerdings meistens für die Führung eines Haushaltsbuches ausgelegt und nicht für den Fall eines Bauvorhabens. Daher lieber etwas Zeit in die Erstellung eigener Berichte investieren.

One single comment

  1. [...] und Torsten bauen mit Bodenseehaus. In ihrem Blog haben sie einen interessanten Beitrag zum Thema “Homebanking für Bauherren” [...]

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